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    Innere Kuendigung: 5 Anzeichen und was du dagegen tun kannst

    Hast du innerlich bereits gekuendigt? Erfahre die 5 deutlichsten Anzeichen fuer eine innere Kuendigung, warum Dienst nach Vorschrift gefaehrlicher ist als eine echte Kuendigung -- und was du jetzt tun kannst.

    Christoph Sacher|24. Februar 2026|8 Min. Lesezeit

    Innere Kuendigung: 5 Anzeichen und was du dagegen tun kannst

    Du sitzt in einem Meeting und merkst, dass du seit zehn Minuten kein Wort gehoert hast. Dein Blick haengt am Bildschirm, aber dein Kopf ist woanders. Als dein Name faellt, sagst du etwas Unverfaengliches. Niemand merkt etwas. Du funktionierst. Du lieferst. Aber innerlich? Innerlich bist du schon lange nicht mehr da.

    Das ist innere Kuendigung. Und sie ist weiter verbreitet, als die meisten Unternehmen ahnen -- oder zugeben wollen.

    In diesem Artikel sprechen wir darueber, was innere Kuendigung wirklich bedeutet, wie du sie bei dir erkennst, warum sie gefaehrlicher ist als eine tatsaechliche Kuendigung -- und welche zwei Wege dir offenstehen, um aus dieser Sackgasse herauszukommen.

    Was innere Kuendigung wirklich ist

    Innere Kuendigung ist kein ploetzliches Ereignis. Es gibt keinen Moment, in dem du beschliesst: "Ab heute ist mir alles egal." Es ist ein schleichender Prozess. Ein langsames Zurueckziehen. Ein stilles Aufgeben, das von aussen oft nicht sichtbar ist.

    Psychologisch betrachtet ist innere Kuendigung ein Zustand emotionaler Distanzierung vom Arbeitsplatz. Du erfuellst deine Pflichten -- nicht mehr und nicht weniger. Du bringst keine Ideen ein, meldest dich nicht freiwillig, uebernimmst keine Verantwortung, die ueber das Notwendige hinausgeht. In der Arbeitspsychologie nennt man das auch Disengagement.

    Innere Kuendigung ist nicht Faulheit. Sie ist ein Schutzmechanismus. Dein Koerper und dein Geist haben erkannt, dass deine Energie an dieser Stelle verschwendet wird -- und ziehen den Stecker.

    Der entscheidende Unterschied zu normaler Unzufriedenheit: Bei innerer Kuendigung hast du aufgehoert, an eine Verbesserung zu glauben. Du beschwerst dich nicht mehr. Du kaempfst nicht mehr. Du hast innerlich abgeschlossen -- aber du gehst trotzdem jeden Morgen hin.

    5 klare Anzeichen, dass du innerlich gekuendigt hast

    Innere Kuendigung ist truegerisch, weil sie sich oft normal anfuehlt. Du hast dich an den Zustand gewoehnt. Deshalb ist es wichtig, ehrlich hinzuschauen. Hier sind fuenf Anzeichen, die du ernst nehmen solltest:

    1. Du machst nur noch das Minimum

    Frueher hast du dich fuer Projekte engagiert, Ideen eingebracht, Verantwortung uebernommen. Heute tust du genau das, was von dir erwartet wird -- keinen Handgriff mehr. Nicht weil du faul bist, sondern weil du keinen Grund mehr siehst, dich anzustrengen.

    Du denkst: Wozu? Es aendert sich ja doch nichts. Meine Ideen werden sowieso ignoriert. Ob ich 80 oder 120 Prozent gebe, macht keinen Unterschied.

    Dienst nach Vorschrift ist das sichtbarste Symptom innerer Kuendigung. Und es ist selbstverstaerkend: Je weniger du investierst, desto weniger bekommst du zurueck -- was deine Ueberzeugung bestaerkt, dass es sich nicht lohnt.

    2. Du vermeidest jede Form von Sichtbarkeit

    Du meldest dich in Meetings nicht mehr zu Wort. Du uebernimmst keine Praesentationen. Du haeltst dich bei Diskussionen zurueck. Nicht aus Schuechternheit -- sondern aus Gleichgueltigkeit.

    Hinter diesem Verhalten steckt oft ein Gedanke wie: Ich will hier keine Spuren hinterlassen. Ich will nicht auffallen. Ich will einfach meine Zeit absitzen. Das ist ein Alarmsignal, denn es zeigt, dass du dich emotional komplett von deinem Arbeitsplatz abgekoppelt hast.

    3. Du zaehlst die Stunden -- jeden Tag

    Jeder hat mal einen Montag, an dem der Feierabend nicht schnell genug kommen kann. Aber wenn du jeden Tag auf die Uhr schaust und die Minuten zaehlst, dann ist das kein Stimmungstief. Dann ist das ein chronischer Zustand.

    Typische Begleiterscheinungen: Du planst deinen Abend schon morgens um neun. Du lebst von Wochenende zu Wochenende. Urlaub fuehlt sich nicht wie Erholung an, sondern wie Flucht. Und der Sonntagabend wird zur dunkelsten Stunde der Woche.

    4. Dich interessiert die Zukunft des Unternehmens nicht mehr

    Neue Strategie? Egal. Umstrukturierung? Solange mein Schreibtisch stehen bleibt. Neuer Chef? Wird auch nicht besser als der alte.

    Wenn dir die Entwicklung deines Unternehmens voellig gleichgueltig geworden ist, dann hast du emotional abgedockt. Du bist Mieter in einem Haus, das dir nicht gehoert -- und du hast aufgehoert, dich um die Einrichtung zu kuemmern.

    5. Du redest schlecht ueber deinen Job -- oder gar nicht mehr

    Frueher hast du vielleicht mit Begeisterung erzaehlt, woran du arbeitest. Jetzt? Entweder du beschwerst dich zynisch, oder du weichst dem Thema komplett aus. "Und, wie laeuft's im Job?" -- "Muss ja."

    Achtung: Wenn dein Umfeld bemerkt, dass du dich veraendert hast, ist der Prozess oft schon weit fortgeschritten. Partner, Freunde, Familie sehen die Veraenderung manchmal frueher als du selbst.

    Warum innere Kuendigung gefaehrlicher ist als eine echte

    Hier wird es unbequem. Denn die meisten Menschen denken: Solange ich nicht wirklich kuendige, ist ja alles in Ordnung. Ich halte durch. Ich bin verantwortungsvoll.

    Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Innere Kuendigung ist in vielerlei Hinsicht schaedlicher als ein tatsaechlicher Jobwechsel. Und zwar fuer alle Beteiligten.

    Fuer dich persoenlich:

    Du zahlst einen enormen psychologischen Preis. Jeden Tag gegen deine eigenen Werte und Beduerfnisse zu arbeiten, kostet Energie -- selbst wenn du "nur" das Minimum tust. Studien zeigen, dass innere Kuendigung mit erhoehtem Risiko fuer Burnout, Depression, psychosomatische Beschwerden und sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht.

    Dazu kommt ein Effekt, den viele unterschaetzen: Erosion des Selbstbilds. Wenn du dich laengere Zeit als jemand erlebst, der nur noch funktioniert, beginnt das dein Selbstwertgefuehl zu untergraben. Du verlierst den Kontakt zu deinen Staerken. Du vergisst, wie es sich anfuehlt, engagiert und lebendig zu sein. Und je laenger das andauert, desto schwerer wird es, diesen Zustand zu aendern.

    Fuer deine Karriere:

    Innere Kuendigung ist ein Karrierekiller -- auch wenn es sich kurzfristig sicher anfuehlt. Du wirst nicht befoerdert, weil du nicht sichtbar bist. Du baust keine neuen Faehigkeiten auf, weil du nicht investierst. Und du erweiterst dein Netzwerk nicht, weil du dich zurueckziehst. Nach zwei, drei Jahren innerer Kuendigung hast du nicht nur Zeit verloren -- du hast dich zurueckentwickelt.

    Fuer dein Privatleben:

    Die Frustration bleibt nicht im Buero. Sie kommt mit nach Hause. Du bist gereizter, mueder, weniger praesent. Beziehungen leiden, Freundschaften werden oberflaechlicher, Hobbys schlafen ein. Irgendwann besteht dein Leben nur noch aus Funktionieren und Kompensieren.

    Die unbequeme Wahrheit: Bleiben aus Angst ist keine Stabilitaet. Es ist langsamer Verschleiss.

    Wie es so weit kommt

    Innere Kuendigung faellt nicht vom Himmel. Sie hat Ursachen -- und die liegen selten nur bei dir oder nur beim Arbeitgeber. Meist ist es ein Zusammenspiel.

    Haeufige Ausloser:

    • Mangelnde Wertschaetzung: Du gibst viel und bekommst wenig zurueck. Kein Lob, keine Anerkennung, kein Interesse an deiner Meinung.
    • Fehlende Entwicklungsperspektiven: Du trittst auf der Stelle. Befoerderungen gehen an andere. Weiterbildung wird versprochen, aber nie umgesetzt.
    • Toxische Fuehrung: Micromanagement, Schuldzuweisungen, Intransparenz. Ein Chef, der dich klein haelt statt gross werden zu lassen.
    • Wertekonflikt: Das Unternehmen vertritt Werte, die deinen widersprechen. Du sollst Dinge tun oder mittragen, die dir gegen den Strich gehen.
    • Ueberlastung ohne Sinn: Du arbeitest viel -- aber du siehst nicht, wofuer. Wenn die Anstrengung sinnlos erscheint, zieht sich dein Engagement zurueck.

    Manche dieser Ursachen lassen sich veraendern. Andere nicht. Und genau hier liegt die entscheidende Frage: Kann ich die Situation aendern -- oder muss ich mich aendern, indem ich gehe?

    Weg 1: Re-Engagement -- Die Situation von innen veraendern

    Bevor du kuendigst, lohnt es sich ehrlich zu pruefen: Gibt es noch etwas, das ich tun kann? Nicht aus Pflichtgefuehl, sondern aus echtem Interesse an einer Loesung.

    Schritt 1: Diagnose stellen. Was genau macht dich unzufrieden? Ist es die Taetigkeit selbst, die Fuehrung, die Kultur, das Umfeld, die fehlende Perspektive? Je praeziser du das benennen kannst, desto gezielter kannst du handeln.

    Schritt 2: Das Gespraech suchen. Ja, das ist unbequem. Aber ein klaeres Gespraech mit deiner Fuehrungskraft -- ehrlich, sachlich, loesungsorientiert -- kann Tueren oeffnen, die du fuer verschlossen gehalten hast. Formuliere konkret, was du brauchst: andere Aufgaben, mehr Eigenverantwortung, eine neue Rolle, ein Projekt, das dich fordert.

    Schritt 3: Einen Zeitrahmen setzen. Gib der Veraenderung eine faire Chance -- aber nicht endlos. Setze dir eine Frist: "Wenn sich in drei Monaten nichts wesentlich veraendert hat, ziehe ich Konsequenzen." Eine Frist verhindert, dass du dich in einem ewigen Abwarten verlierst.

    Schritt 4: Kleine Veraenderungen initiieren. Manchmal reicht es, einen Aspekt deiner Arbeit zu veraendern: ein neues Projekt, ein anderes Team, eine Weiterbildung. Nicht als Ablenkung, sondern als ehrlicher Versuch, wieder Anschluss an deine Motivation zu finden.

    Wichtig: Re-Engagement funktioniert nur, wenn es von einem echten Willen getragen wird. Wenn du es nur tust, um vor dir selbst zu rechtfertigen, dass du bleibst, wird es scheitern.

    Weg 2: Den Ausstieg planen -- bewusst und strategisch

    Wenn du ehrlich geprueft hast und weisst, dass die Situation nicht mehr zu retten ist, dann ist es Zeit fuer einen Plan. Nicht fuer eine spontane Kuendigung -- sondern fuer einen durchdachten Uebergang.

    Finanzielles Polster aufbauen. Drei bis sechs Monatsgehaelter sind ein guter Richtwert. Das gibt dir den Freiraum, dich in Ruhe zu orientieren, ohne aus Panik den naechsten falschen Job anzunehmen.

    Klarheit ueber die Richtung gewinnen. Was soll anders sein? Nicht nur "weg von hier", sondern "hin zu etwas". Sprich mit Menschen in Bereichen, die dich interessieren. Mach dir ein realistisches Bild.

    Netzwerk aktivieren. Erzaehle ausgewaehlten Vertrauenspersonen von deinen Plaenen. Die besten naechsten Schritte entstehen oft durch ein Gespraech, nicht durch Stellenportale.

    Professionelle Begleitung in Betracht ziehen. Ein Karriere-Coach kann dir helfen, deine Optionen zu sortieren, blinde Flecken aufzudecken und den Uebergang zu strukturieren. Das ist keine Schwaeche -- das ist kluge Investition in deine Zukunft.

    Der Moment, in dem sich alles aendert

    Ich sage meinen Klienten oft: Der schwierigste Moment ist nicht die Kuendigung. Der schwierigste Moment ist die Entscheidung, dass du diesen Zustand nicht mehr akzeptierst. Dass du aufhoerst, dich selbst zu betaeuben. Dass du dir eingestehst: So will ich nicht weitermachen.

    Dieser Moment ist unbequem. Manchmal schmerzhaft. Aber er ist auch der Moment, in dem Veraenderung beginnt. Nicht irgendwann. Jetzt.

    Denn das ist die Ironie der inneren Kuendigung: Du denkst, du schuetzt dich, indem du nichts tust. In Wirklichkeit schadest du dir jeden Tag ein bisschen mehr.

    Dein naechster Schritt

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    Innere Kuendigung fuehlt sich an wie Stillstand. Aber in Wahrheit bewegt sich etwas -- nur leider in die falsche Richtung. Die gute Nachricht: Du kannst jederzeit umsteuern. Der erste Schritt ist die ehrliche Bestandsaufnahme.

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