Berufung finden: In 5 Schritten zu mehr Erfüllung im Job
Du fragst dich, was du wirklich arbeiten willst? Entdecke in 5 praktischen Schritten, wie du deine Berufung findest und mehr Sinn im Beruf erlebst.
Montag, 6:30 Uhr. Der Wecker klingelt und noch bevor du die Augen richtig geöffnet hast, spürst du dieses vertraute Gefühl in der Magengrube. Nicht direkt Angst, eher eine bleierne Schwere. Der Gedanke an die kommende Arbeitswoche fühlt sich an wie ein zu enger Schuh, der mit jedem Schritt drückt. Du funktionierst, du machst deinen Job -- aber irgendwo tief in dir weißt du: Da muss doch mehr sein.
Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Studien zeigen, dass sich nur rund 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland wirklich mit ihrer Arbeit verbunden fühlen. Der Rest pendelt irgendwo zwischen Gleichgültigkeit und stiller Resignation. Dabei verbringen wir einen Großteil unserer wachen Lebenszeit mit Arbeit. Ist es da nicht an der Zeit, sich ernsthaft zu fragen: Was will ich eigentlich wirklich?
In diesem Artikel zeige ich dir fünf konkrete Schritte, die dich deiner Berufung näherbringen. Keine vagen Motivationsphrasen, sondern praktische Ansätze, die du sofort umsetzen kannst. Vorher räumen wir aber mit ein paar hartnäckigen Mythen auf.
Der Mythos vom perfekten Traumjob
Bevor wir in die Schritte einsteigen, lass uns ehrlich sein: Die Vorstellung, dass irgendwo da draußen der eine perfekte Job auf dich wartet, ist einer der größten Stolpersteine auf dem Weg zur beruflichen Erfüllung. Diese Idee setzt dich unter enormen Druck und führt dazu, dass du jede Stelle an einem unerreichbaren Ideal misst.
Berufung ist kein fertiges Paket, das du findest. Sie ist etwas, das du Schritt für Schritt erschaffst -- aus deinen Stärken, deinen Werten und deinem Mut, Neues auszuprobieren.
Die Wahrheit ist: Berufung entsteht selten durch einen Blitz der Erkenntnis. Sie entwickelt sich. Sie wächst, wenn du dich selbst besser kennenlernst und den Mut hast, das Gelernte in Handlung umzusetzen. Es geht nicht darum, den perfekten Job zu finden. Es geht darum, einen Job zu gestalten, der zu dir passt -- oder manchmal auch darum, dich selbst so weiterzuentwickeln, dass du in deiner aktuellen Rolle mehr Sinn erleben kannst.
Mit dieser realistischen Erwartung im Gepäck schauen wir uns die fünf Schritte an.
Schritt 1: Erkenne deine Stärken -- wirklich
Die meisten Menschen können ihre Schwächen deutlich besser benennen als ihre Stärken. Das liegt daran, dass unser Bildungssystem und viele Unternehmenskulturen uns darauf trainiert haben, Defizite zu erkennen und zu beheben. Für die Suche nach deiner Berufung ist das fatal. Denn Erfüllung entsteht dort, wo du deine natürlichen Stärken einsetzen kannst.
Und mit Stärken meine ich nicht deine Hard Skills auf dem Lebenslauf. Ich meine die Tätigkeiten, bei denen du in einen Flow-Zustand gerätst. Die Dinge, die dir leichtfallen und die andere an dir bewundern, während du dich fragst, warum das denn etwas Besonderes sein soll.
So gehst du vor:
- Frage fünf Menschen, die dich gut kennen, wofür sie dich schätzen und wobei sie dich um Rat fragen. Die Antworten werden dich überraschen.
- Führe ein Energie-Tagebuch. Notiere dir eine Woche lang jeden Abend, welche Aufgaben dir Energie gegeben haben und welche dir Energie geraubt haben. Muster werden schnell sichtbar.
- Denke an Momente, in denen du stolz warst. Was hast du in diesen Situationen konkret getan? Welche Fähigkeiten hast du dabei eingesetzt?
Deine größten Stärken sind dir oft so selbstverständlich, dass du sie gar nicht als besonders wahrnimmst. Genau deshalb brauchst du den Blick von außen.
Schritt 2: Kläre deine Werte
Stärken allein reichen nicht aus. Du kannst hervorragend darin sein, Zahlen zu analysieren -- aber wenn dir Menschlichkeit und Kreativität am Herzen liegen, wirst du in einer reinen Controlling-Position langfristig nicht glücklich. Deine Werte sind der Kompass, der bestimmt, in welche Richtung du deine Stärken einsetzen willst.
Werte sind dabei keine abstrakten Konzepte, die du aus einer Liste wählst. Es geht um die Dinge, die dich wütend machen, wenn sie verletzt werden. Die Prinzipien, für die du einstehst, auch wenn es unbequem wird.
So findest du deine Kernwerte:
- Die Wut-Frage: Worüber regst du dich bei der Arbeit am meisten auf? Hinter Frustration steckt fast immer ein verletzter Wert. Nervt es dich, wenn Entscheidungen über deinen Kopf hinweg getroffen werden? Dann ist dir Selbstbestimmung wichtig. Ärgert es dich, wenn Kollegen unehrlich sind? Dann ist Integrität ein Kernwert.
- Die Sonntagabend-Frage: Stell dir vor, du könntest ab morgen in einem Job arbeiten, der deinen drei wichtigsten Werten entspricht. Welche wären das? Schreibe ohne langes Nachdenken die ersten drei auf, die dir in den Sinn kommen.
- Der Rückblick-Test: Denke an berufliche Situationen, in denen du dich wirklich lebendig gefühlt hast. Was war an diesen Momenten anders? Welche Werte wurden dort gelebt?
Schritt 3: Erweitere deinen Horizont
Hier passiert ein Fehler, den ich im Coaching immer wieder sehe: Menschen versuchen, ihre Berufung allein im Kopf herauszufinden. Sie grübeln, analysieren und drehen sich im Kreis -- immer innerhalb der Möglichkeiten, die sie bereits kennen. Aber du kannst dich nicht für etwas entscheiden, von dem du nicht weißt, dass es existiert.
Die Welt der beruflichen Möglichkeiten ist viel größer, als du denkst. Es gibt Rollen, Branchen und Arbeitsmodelle, die du noch nie auf dem Schirm hattest. Und genau die könnten zu dir passen.
So erweiterst du deinen Horizont:
- Führe Informationsgespräche. Sprich mit Menschen in Berufen, die dich neugierig machen. Nicht um dich zu bewerben, sondern um zu verstehen, wie ihr Alltag wirklich aussieht. Frage nach, was sie lieben und was sie nervt. Linkedin macht es heute einfacher denn je, solche Kontakte herzustellen.
- Lies Biografien und Karrieregeschichten. Nicht um sie zu kopieren, sondern um zu sehen, wie vielfältig berufliche Wege sein können. Die wenigsten erfolgreichen Menschen hatten einen geraden Weg.
- Besuche Veranstaltungen außerhalb deiner Branche. Meetups, Konferenzen, Workshops -- je weiter weg von deinem aktuellen Berufsfeld, desto besser. Neue Impulse entstehen an den Grenzen deiner Komfortzone.
Du musst nicht alles auf eine Karte setzen. Aber du musst bereit sein, dich mit mehr als dem Bekannten auseinanderzusetzen.
Schritt 4: Teste, bevor du springst
Einer der größten Fehler auf dem Weg zur Berufung ist das "Alles-oder-nichts"-Denken. Entweder ich kündige morgen und mache mein eigenes Ding -- oder ich bleibe, wo ich bin, und schlucke die Unzufriedenheit herunter. Dieses Schwarz-Weiß-Denken hält unzählige Menschen in Jobs, die sie unglücklich machen.
Die klügere Strategie: Teste deine Ideen in kleinem Rahmen, bevor du große Entscheidungen triffst. Denke in Experimenten statt in Lebensplanungen.
Konkrete Möglichkeiten:
- Nebenprojekte starten. Du überlegst, dich als Coach selbstständig zu machen? Biete erst mal drei Pro-bono-Coachings an, bevor du deinen Job kündigst. Du willst in die Kreativbranche? Starte ein kleines Projekt am Wochenende.
- Job-Shadowing nutzen. Frage jemanden, ob du einen Tag lang mitlaufen darfst, um den Alltag eines Berufs wirklich zu erleben -- nicht nur das, was auf der Stellenanzeige steht.
- Weiterbildung als Testfeld. Ein Kurs oder Workshop in einem neuen Bereich verrät dir mehr über dein echtes Interesse als hundert Stunden Grübeln. Merkst du nach drei Abenden, dass das Thema dich langweilt? Wertvolle Information. Merkst du, dass du nicht aufhören kannst darüber nachzudenken? Noch wertvollere Information.
- Interne Möglichkeiten ausloten. Oft gibt es im eigenen Unternehmen Projekte, Teams oder Rollen, die näher an deiner Berufung liegen als deine aktuelle Position. Sprich mit deiner Führungskraft oder HR über Möglichkeiten.
Testen nimmt dir den Druck, sofort die perfekte Entscheidung treffen zu müssen. Und es liefert dir etwas, das Grübeln nie kann: echte Erfahrung.
Schritt 5: Ins Handeln kommen -- und dranbleiben
Die ersten vier Schritte haben dir Klarheit verschafft. Du kennst deine Stärken, deine Werte, du hast neue Möglichkeiten entdeckt und vielleicht schon erste Experimente gestartet. Jetzt kommt der entscheidende Moment: Du musst ins Handeln kommen. Nicht irgendwann, sondern jetzt.
Das klingt banal, aber genau hier scheitern die meisten. Nicht an fehlendem Wissen, sondern an fehlendem Handeln. Der Alltag rollt weiter, die Gewohnheit gewinnt, und drei Monate später hast du dich wieder in deiner Komfortzone eingerichtet.
So bleibst du in Bewegung:
- Setze dir eine konkrete nächste Aktion. Nicht "Ich will mich beruflich verändern", sondern "Bis Freitag schreibe ich drei Personen auf Linkedin an, deren Job mich interessiert." Je konkreter, desto besser.
- Schaffe Verbindlichkeit. Erzähle jemandem von deinem Vorhaben. Suche dir einen Sparringspartner oder Coach, der dich begleitet. Veränderung allein durchzuziehen ist möglich, aber deutlich schwerer.
- Akzeptiere Rückschläge als Teil des Weges. Nicht jedes Experiment wird erfolgreich sein. Nicht jedes Informationsgespräch wird dich weiterbringen. Das ist normal. Der Unterschied zwischen denen, die ihre Berufung finden, und denen, die es nur planen, liegt nicht im Talent. Er liegt in der Bereitschaft, trotz Unsicherheit weiterzugehen.
- Denke in Etappen. Du musst nicht morgen deinen Traumjob haben. Aber du kannst morgen einen kleinen Schritt in die richtige Richtung machen. Und übermorgen den nächsten.
Berufliche Veränderung ist kein Sprint, sondern eine Wanderung. Du brauchst keinen perfekten Plan -- du brauchst den Mut, loszugehen, und die Ausdauer, weiterzugehen.
Was, wenn ich immer noch nicht weiß, was ich will?
Wenn du nach diesen fünf Schritten immer noch das Gefühl hast, im Nebel zu stehen, dann ist das kein Zeichen von Schwäche oder Versagen. Es bedeutet, dass du vor einer komplexen Frage stehst, die sich nicht mal eben am Wochenende beantworten lässt. Und das ist in Ordnung.
Was in solchen Momenten hilft, ist ein strukturierter Blick von außen. Jemand, der die richtigen Fragen stellt. Der deine blinden Flecken sichtbar macht. Der dich herausfordert, wenn du dich in alten Denkmustern verfängst -- und der dich bestärkt, wenn du Angst vor dem nächsten Schritt hast.
Genau dafür gibt es Karriere-Coaching. Nicht als Luxus, sondern als Abkürzung. Nicht weil du es nicht allein könntest, sondern weil es mit Begleitung schneller, klarer und nachhaltiger geht.
Dein erster Schritt beginnt hier
Du hast jetzt fünf konkrete Ansätze, um deiner Berufung näherzukommen. Aber vielleicht spürst du auch, dass du dir Unterstützung wünschst -- jemanden, der den Prozess mit dir gemeinsam geht.
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Denn die beste Zeit, etwas zu verändern, ist nicht morgen. Sie ist jetzt.